Die Erstbesteigung des Broad Peak 8047m durch die österreichische ÖAV Karakorum Expedition 1957 ohne Sauerstoffgeräte, ohne Hochträger, ohne Basislagerhilfe am 9. Juni 1957 durch Fritz Wintersteller, Marcus Schmuck, Kurt Diemberger und Hermann Buhl.  
Broad Peak
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 Broad Peak

Der Broad Peak ist mit einer Höhe von 8,047 m der zwölft-höchste Berg der Erde. Auf 8,047 m (26,400 feet) wurde der Hauptgipfel im Jahre 1926 von Mason vermessen. Spoleto präzisierte die Höhe 1929 auf 8,051 m (26,414 feet). In 1957 war auf den offiziellen Karten eine Höhe von 8,047 m eingetragen und moderne Karten zeigen jetzt eine Höhe von 8,051 m. Seinen Namen erhielt er 1892 von W. Martin Conway, der einheimische Name "Faichan Kangri" ist nur wenigen bekannt.

Im Karakorum, in unmittelbarer Nähe des K2, ist der Broad Peak von frühen Expeditionen oft erwähnt. Er wurde 1934 von der Dyhrenfurthschen Internationalen Himalaya-Expedition intensiv erkundet und dabei wegen seiner Steilheit als "nahezu unersteigbar" klassifiziert. Besteigungsversuche wurden bis 1954 nicht unternommen. Noch drehte sich alles nur um den K2. Nach dessen Erstbesteigung durch die Italiener war Karl M. Herrligkoffer der Erste, der den Broad Peak zu bezwingen versuchte.

 


Broad Peak am 19. Juni 1957 vom Skil Brum aus © Fritz Wintersteller


Lager mit Blick auf den K2

© Fritz Wintersteller

 

1957 gelang einer österreichischen Kleinexpedition unter der Leitung von Marcus Schmuck endlich der Gipfelsieg. Nach-dem am 29. 5. beim ersten Gipfelversuch nur der 8,030 m hohe Vorgipfel von Fritz Wintersteller und Kurt Diemberger erreicht wurde, standen am 9. 6. 1957 zunächst Markus Schmuck und Fritz Wintersteller, dann Kurt Diemberger und etwas später auch Hermann Buhl auf dem 8,047 m hohen Hauptgipfel.

Die zweite Besteigung gelang 20 Jahre später einem japanischen Team. Zuvor hatten 1975 fünf polnische Bergsteiger den technisch schwierigen, 8,015 m hohen Mittelgipfel erstiegen.

Anmarsch zum Basislager 1957

Am 6. Mai kehrten die letzten 23 Lastenträger 7 km vor dem Basislager um. Weitere 40 Lasten lagen 12 km vom Basis Lager entfernt. Die fünf "Sahibs" und zwei Postläufer trugen insgesamt 60 Lasten von bis zu 35kg selbst ins Basis Lager.

 

Erste Kundfahrten und Ersteigungsversuche

Im Februar des Jahres 1892 machte sich in London eine Gruppe von Bergsteigern und Forschern auf den Weg, einen Weg der sie in das Gebiet des oberen Baltoro im Karakorum führen sollte. Leiter diese Forschungsreise war William Martin Conway. Seine weiteren Forschungsreisen sollten ihn nach Spitzbergen und später nach Südamerika führen. Seine wissenschaftlichen Berichte danach wurden in England zuerst mit dem Prädikat „Sir“ und später auch noch „Lord“ Conway honoriert.

Bei dieser Forschungsreise im Jahre 1892 waren seine Begleiter unter anderem, der bekannte Bergführer Matthias Zurbriggen und Oscar Eckstein. Zurbriggen kann die erste Solobesteigung des Aconcagua für sich verbuchen, während Eckstein als Erfinder der modernen Steigeisen in die Geschichte einging und im Jahr 1902 den ersten frühen Versuche einer Besteigung des K2 leitete.

Zwischen Eckstein und Conway soll es aber zu grundsätzlichen Meinungsdifferenzen gekommen sein, die soweit führten, dass vermerkt wurde, Eckstein hätte sich ab Gilgit nicht mehr wohl gefühlt und es daher sinnlos gewesen wäre, weiter mit der Gruppe in den Baltoro hinein zu ziehen. Diese Überlieferung kann dem Gesundheitszustand Eckstein`s zugeschrieben werden, vielmehr aber dürften grundsätzlich Meinungsdifferenzen Conway`s und Eckstein`s die Ursache seiner Rückkehr gewesen sein. Conway war der typische Vertreter des Establishments – Eckstein wiederum ein überzeugter Sozialist.

Conway`s Forschungsreise führte ihn mit Charles Bruce, einem Ghurka Offizier zusammen, der die Kundfahrt begleitete. Bruce war bereits mit dem legendären Mummery im Jahre 1895 zum Nanga Parbat und später 1922 und 1924 zum Everest unterwegs.

Die Gruppe ereichte den Zusammenfluss des Baltoro Gletschers mit dem Godwin Austen Gletscher und benannte diesen Kreuzungspunkt nach einem ähnlich gestalteten Platz in den Schweizer Alpen, den Concordiaplatz. Von diesem Platz aus, mit Blickrichtung K2 beschrieb Conway auf der rechten Seite ein gewaltiges „Breithorn“, dass den Platz zwischen dem K2 und dem Gasherbrum ausfüllte.

Conway benannte in Ermangelung einer einheimischen Bezeichnung dieses Berges, diesen aufgrund seiner Gestalt. Im Vorwort zu seinem Buch kann man nachlesen, dass Conway vor einer Namensgebung immer erst nach einheimischen Bezeichnungen sucht und auf alpine Gegebenheiten Rücksicht nahm. Keinesfalls würde er Namen von Personen auf Bergen übertragen. Als Broad Peak ging der Name Conway`s in die Landkarten ein.

Günter Oscar Dyrenfurth, der Leiter der Internationalen Himalaja Expedition (IHE) von 1934, erkundete das Gebiet um Gasherbrum I und die West – und Südseite des Broad Peak.

Dyrenfurth sah die Möglichkeit einer Route auf den Broad Peak und nannte sie den West Sporn und versprach sich davon den  meisten Erfolg. Aber gleichzeitig stellte er fest, dass diese Route für die Balti Hochträger zu schwierig sei.

Den ersten ernsthaften Versuch unternahm dann im Jahre 1954 Karl-Maria Herrligkoffer. Herrligkoffer war ein Halbbruder von Willy Merkel, der die beiden deutschen Nanga Parbat Expeditionen von 1932 und 1934 leitete. Die Expedition 1934 endete mit einer der größten Tragödien in der Geschichte des Karakorum. Es starben Merkl, Wilo Welzenbach und Uli Wieland zusammen mit 6 Sherpas unter einer Lawine. Der Berg selbst blieb unbestiegen.

Herrligkoffer war kein Bergsteiger, aber besessen von der Idee, das Vermächtnis seines Halbbruders, den Nanga Parbat zu ersteigen, zu erfüllen. Nach den Wirren des 2. Weltkrieges war es dann soweit und Herrligkoffer begann Anfang der 50-er Jahren eine neuerliche Expedition zu organisieren. Der von ihm geleiteten Expedition gehörten unter anderem Peter Aschenbrenner, Hermann Buhl und Kuno Rainer an. Kuno Rainer und Hermann Buhl hatten zu diesem Zeitpunkt bereits schwierigste Bergfahrten zusammen unternommen. Diese Expedition führte dann zum gewünschten Erfolg: Hermann Buhl bestieg in einem legendären Alleingang den Gipfel des Nanga Parbat und erlangte dadurch Weltruhm.

Für das Jahres 1954 plante Herrligkoffer dann eine zweite Karakorum Expedition mit dem Ziel K2. Die Genehmigung für den K2 war aber schon von den pakistanischen Behörden an die Italiener vergeben worden und so entschied sich Herrligkoffer für den Gasherbrum I. Bedingt durch seine Verpflichtungen zu Hause verzögerte sich die Abreise bis in den Herbst. Weitere zeitliche Verzögerungen ergaben sich dann bei Schwierigkeiten mit den Balti Trägern und in Anbetracht der Fortgeschrittenen Zeit entschied sich Herrligkoffer dann für den Broad Peak.

In Herrligkoffers Team waren drei Bergsteiger der erfolgreichen Nanga Parbat Expedition, einer von ihnen war Kuno Rainer.

Die Expedition erreichte im Oktober den Concordiaplatz. Ernst Senn erkundete die Möglichkeit des Aufstieges über den Westsporn und musste aber Dyrenfurths Einschätzung, wonach dieser Anstieg für die Hochträger zu schwierig ist, recht geben.  Nach weiteren Erkundungen durch Toni Messner, entschied sich Herrligkoffer dann für die Süd Seite des Broad Peak, wo ein  breites Becken des Broad Gletschers hinauf zum Hochplateau führt.

Der Plan der Besteigung sah 4 Lager vor: auf 5.300m, 6.000m, 6.500m und 7.200m. Von diesem letzten Hochlager sollte die Route direkt hinauf in die „Windlücke“ – so die damalige Bezeichnung – führen. Heute spricht man vom Broad Col. Von hier über den Grat zum Vor- und in weiterer Folge zum Hauptgipfel.

Die Route dieser 1954-er Expedition und der der Erstbegeher 1957 trafen auf 6500 Meter am Hochplateau zusammen und führt über eine ausgeprägte Rippe hinauf auf 7.200 Meter wo das Lager III im Jahre 1957 errichtet wurde.

Die Herrligkoffer Expedition wurde in weiterer Folge durch die Ereignisse zurückgeschlagen: Senn und Anderl erreichten 7.200 Meter, wobei Senn ca. 300 Meter abstürzte, sich bei diesem Rutsch aber nicht ernsthaft verletzte. An ein Weitersteigen nach oben war aber nicht zu denken.  Sepp Maag und Rudl Marek fielen in eine Gletscherspalte, konnten  sich aber mit leichten Verletzungen selbst daraus wieder befreien.

Angesichts dieser Umstände, der herannahenden Winterstürme und der tiefen Temperaturen – es war bereits der 6. November – entschied Herrligkoffer, die Expedition abzubrechen.

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